Die Orgel arbeitet

Hinweise zum Heizen und Lüften von Räumen mit Orgeln

Einer der Hauptwerkstoffe unserer Orgeln ist Holz. Holz ist bekanntlich ein lebendiger Werkstoff, der unabhängig von seinem Alter selbst noch nach Jahrhunderten je nach dem Grad der umgebenden Luftfeuchtigkeit Wasser aufnimmt oder abgibt. Dementsprechend kann das Holzaufquellen oder schwinden, was gerade für Orgeln, aber auch für andere hölzerne Inneneinrichtungen in Kirchenräumen (Bänke, Türen, Altäre,Schnitzwerk) erhebliche Probleme mit sich bringt.
Über das Klima in Kirchenräumen gibt es auch wissenschaftliche Untersuchungen.
In zahlreichen Diagrammen wird uns aber vor Augen geführt, was wir selbst empfinden: dass im Winter geheizte Luft das Klima auf den Kopfstellen kann.

Der Frost macht aus der Luftfeuchtigkeit Eis und Schnee. Diese frostgetrocknete Luft wird in unseren Räumen erwärmt (bis erhitzt), wodurch die relative Luftfeuchte noch weiter auf einen Extremwert absinkt.

Was geschieht

Trockene Luft nimmt aber jede Feuchtigkeit geradezu gierig auf; selbst durch dicken Lack hindurch gibt Holz Feuchtigkeit ab . Es schwindet und wird kleiner egal wie alt es ist.
Für eine pflegliche Behandlung der Orgel muss also in der Heizperiode auf die Luftfeuchtigkeit das größte Augenmerk gerichtet und diese wenn irgend möglich immer wieder erhöht werden.
Nach feststehenden Erfahrungswerten schlägt sich die Luftfeuchtigkeit im Winter an nicht ausreichend isolierten Fenstern nieder noch bevor im Raum die wünschenswerte Luftfeuchtigkeit erreicht ist. Fast alle Kirchenfenster sind in gebäudetechnischem Sinn nicht ausreichend isoliert (Doppelfenster, Thermopanglas usw.)! Dagegen gibt es kein Beispiel für Maßnahmen, welche in der Heizperiode eine zu hohe Luftfeuchtigkeit erzeugen würden.

Wissenswertes

Ratschläge für eine sachgerechte Behandlung von Orgeln gerade im Hinblick auf ein günstiges Raumklima führen deshalb auch stets dazu, während der Heizperiode die Luftfeuchte im Kirchenraum zu erhöhen, zu erhalten oder wenigstens nicht zu schnell und zu heftig absinken zu lassen, zumal es ein Naturgesetz ist, dass jedes Heizen zum Absinken der relativen Luftfeuchtigkeit bzw. zum Ansteigen der Wasseraufnahmefähigkeit der Luft führt. Wird Luft mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 50% z. B. von 6 Grad C auf 20 Grad C erwärmt, so sinkt ihre relative Feuchtigkeit nur durch diese Erwärmung ,,von alleine" auf 22% .

Zu beachten

Darum sollten beim Heizen und Lüften von Räumen, in denen eine Orgel steht, unbedingt folgende Punkte beachtet werden:

Wichtig ist die Beobachtung des Wetters, denn die Innenluft steht in ständigem Austausch mit der Außenluft, auch durch dickste Mauern hindurch (sogen. Diffusion}. Entsprechend den Gegebenheiten kann der Luftaustausch verstärkt oder auf ein Minimum reduziert werden.

Je weniger geheizt wird, desto günstiger entwickeln sich die Werte der Luftfeuchte. Als vorteilhaft bekannt ist eine Heizmethode, die in einer Stunde Temperatur nur um maximal 1,5 Grad C verändert, sowohl auf- wie abwärts.

Bei Frost darf man nicht lüften. Dagegen sollte ein wärmerer Regentag zwischen Frosttagen unbedingt zum intensiven Lüften genutzt werden. Jedes Einbringen (Zuführen) von Feuchtigkeit ist in der Heizperiodeun entbehrlich für das Raumklima: Verdampfen mit Luftbefeuchter; Verdunsten (offene Wasserflächen, häufiges Befeuchten des Fußbodens) Grünpflanzen, Kleinere Räume (und das betrifft besonders auch Wohnungen) können leichter befeuchtet werden, da sie in der Regel gut isoliert sind und infolge des geringen Raumvolumens leichter auf eingebrachte Feuchtigkeit reagieren.

Partielles Heizen muss so erfolgen, dass die Luft nicht in der Nähe einiger Pfeifen erwärmt wird (z. B. Prospektpfeifen). Eine Temperaturveränderung von beispielsweise l Grad C verändert die Tonhöhe des Tones klein a vom Register Prinzipal 4' um fast l Hz (1,6 Schwebungen pro Sekunde). Solche »Verstimmungen" bilden sich allerdings von selbst zurück, wenn die Lufttemperatur wieder gleichmäßig geworden ist. Das kann aber seine Zeit dauern.

Dringend empfohlen

Der Orgelbauer empfiehlt Ihnen dringend, diese Ratschläge zu beachten und den Raum,
in welchem Ihre Orgel steht, während der Heizperiode ausreichend mit Luftfeuchtigkeit zu versorgen. Auf diese Weise können Sie beträchtliche Reparaturkosten sparen, welche durch Trockenheitsschäden anfallen und im übrigen durch keine Garantie abgedeckt werden können.
Vernünftiges Heizen und Lüften, wie hier gezeigt, kostet nicht mehr als schädliche, unüberlegte Bedienung der Heizung.
Eine — wo es möglich ist — raumumfassende, kontrollierte Luftbefeuchtung
kommt übrigens allen Kircheneinrichtungen (nicht nur der Orgel)
und auch den Menschen zugute.



Neue Technik - Vorteile für Organisten

Partielles Heizen des Orgelplatzes belastet das Raumklima weniger. Gerade aber in Orgelnähe muss dies mit viel Umsicht geschehen. Jedes direkte Bestrahlen von Holzteilen mit Heizstrahlern ist zu vermeiden. Es führt zu Rissbildung — bis hin zur Verkohlung!
Inzwischen kann eine neue Technik eingesetzt werden, die sehr gezielt das Umfeld des Organisten erwärmt. Dabei entsteht Strahlungswärme wie durch Sonnenlicht, mit der sich Manualtasten eines jeden einzelnen Manuals beheizen lassen. Auch bei Pedalheizsystemen und Bankheizungen haben sich neue energiesparendere Lösungen etabliert mit sensorgeregelten Systemen die eine Brandgefahr früherer Heizstrahler nahezu ausschließt.


Pilzbefall von Orgelteilen

Die Umstellung der Heizgewohnheiten hat in den letzten Jahren zu vermehrten Problemen mit Pilzbefall geführt. Die Notwendigkeit Energie zu sparen bringt es mit sich, dass den Begleiterscheinungen dabei vermehrt Beachtung geschenkt werden sollte.

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